Wir drohen die digitale Zukunft zu verschlafen

In punkto Digitalisierung lebt Deutschland aktuell wohl eher von der Substanz – und setzt seine Zukunft ggf. in Teilbereichen aufs Spiel. Wir drohen die digitale Zukunft zu verschlafen. Auch Brüssel hat der BRD vor einiger Zeit hierzu ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt. Im EU-Index für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft (DESI) liegt Deutschland auf Platz elf.

Im Vergleich zum Vorjahr ein Rückschritt um zwei Plätze. Egal in welchem Bereich: – Verfügbarkeit sowie Nutzung schneller Zugänge, allgemeine Kenntnisse, Internet-Nutzungsverhalten unserer Bevölkerung, Digitalisierung in Unternehmen etc. – in keiner dieser Bereiche rangieren wir in der Spitzengruppe, z.T. noch nicht mal in der Nähe hierzu.

Deutschland ist gleichauf mit Malta oder Litauen – noch hinter Österreich. Der EU-Spitzenreiter Dänemark erzielt eine deutlich bessere DESI-Bewertung. Besserung scheint nicht in Sicht – denn die EU-Kommission nennt Deutschland als eines der Länder mit den geringsten Fortschritten bei der Digitalisierung.

Seitens der Politik wird darauf verwiesen, dass Deutschland zu den weltweit fünf größten Investoren bei FuE gehört und die diesbezüglichen Ausgaben in den letzten zehn Jahren verdoppelt wurden.

Der andere Teil dieser Wahrheit lautet: gut ein Drittel der deutschen FuE-Ausgaben geht in den für die BRD sicherlich bedeutsamen Fahrzeugbau. 90 Prozent der FuE-Aufwendungen werden von Großunternehmen getätigt.

Als größte Volkswirtschaft Europas dürfen wir jedoch gerade bei der Digitalisierung nicht länger Mittelmaß bleiben. Daraus werden seitens bedeutender mittelständischer Verbände drei zentrale Forderungen abgeleitet:

1.) Deutschland muss verstärkt in die digitale Infrastruktur und Bildung investieren, um auch international wettbewerbsfähig zu bleiben.
2.) Konzentration aller digitalen Zuständigkeiten in einem Bundesministerium.
3.) Steuerliche Forschungsförderung wie in 28 der 34 OECD-Länder.

Eine wesentliche Ursache für diese Schwäche sieht Prof. Barner in mangelnder Offenheit gegenüber technischen Neuerungen. Ein Beispiel ist die Ablehnung der Gentechnik in weiten Teilen unserer Gesellschaft. Als Konsequenz hat BASF seine Forschungs- und Entwicklungskapazitäten bei der grünen Gentechnologie vor fünf Jahren komplett in die USA verlagert.

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