Was erfolgreiche Führungskräfte in punkto Leadership auszeichnet

Was erfolgreiche Führungskräfte in punkto Leadership auszeichnet

Sieben Charakteristika von Resilienz:

Der Begriff Resilienz taucht in verschiedensten Veröffentlichungen zu Managementthemen zunehmend auf. Daher möchte ich Ihnen hier aufzeigen, welche Faktoren einen resilienten Manager ausmachen.

Was bedeutet eigentlich Resilienz?

Resilienz beschreibt eine von Individuum zu Individuum unterschiedliche Fähigkeit, mit Druck, Veränderungen, Ungewissheit und Rückschlägen im privaten wie auch beruflichen Leben umzugehen. Daher handelt es sich um eine mentale Fähigkeit, die im Alltag auch als „psychologische Widerstandsfähigkeit“ bezeichnet wird.

Solche Menschen werden in der Regel als selbstbewusst, gelassen, humorvoll, menschlich, zuversichtlich, zielorientiert, intelligent und selbstreflektiert beschrieben – also scheint irgendwie bei ihnen einfach alles zu stimmen. Insofern zeigt sich eine hohe Resilienz nicht nur in herausfordernden Situationen, sondern eben auch im „ganz normalen“ täglichen Leben.

Die zwei US-Forscher Dr. Karen Reivich und Dr. Andrew Shatté haben in ihrem Buch „The Resilience Factor“ sieben entscheidende Kriterien beschrieben, die einen hochresilienten Menschen ausmachen. Diese stellen in letzter Konsequenz nichts anderes dar, als die oben geschilderten Persönlichkeitsbeschreibungen.

Und was sind nun diese sieben Charakteristika, die hochresiliente Menschen auszeichnen:

  1. Emotionssteuerung
  2. Impulskontrolle
  3. Kausalanalyse
  4. Selbstwirksamkeitsüberzeugung
  5. Realistischer Optimismus
  6. Empathie
  7. Zielorientierung

Was genau verbirgt sich hinter diesen einzelnen Punkten?

  1. Emotionssteuerung

Wenn sich der Service- oder Kundendienst-Mitarbeiter X der Firma Y wegen eines extrem unhöflichen Kunden nicht ärgert bzw. ggf. nicht selbst unhöflich wird – dann steuert er seine Emotionen. Wenn ein Servicemitarbeiter der Bahn trotz größerer privater Probleme dennoch zur Arbeit geht und die Kunden freundlich behandelt oder sogar anlächelt – dann steuert er seine Emotionen. Und wenn eine Führungskraft mit im Unternehmen oder Konzern anstehenden Veränderungen nicht konform geht, aber trotzdem versucht, seine Mitarbeiter dazu zu motivieren, steuert diese ihre Emotionen.

Emotionssteuerung beschreibt insofern eine Fähigkeit, unter Druck dennoch ruhig zu bleiben.

Resiliente Menschen nehmen ihre Gefühle bewusster wahr und erkennen diese – und es gelingt ihnen durch unterschiedliche Verhaltensweisen und Techniken diese zu steuern. Oftmals geschieht dies unbewusst. Solche Menschen sind dazu auch in der Lage, wenn sie sehr große persönliche Herausforderungen zu bewältigen haben oder schwere Rückschläge erleben. Ihre tatsächliche Leistungsfähigkeit wird daher kaum durch ihre Emotionen in irgendeiner Form beeinträchtigt.

  1. Impulskontrolle

Ein markantes Beispiel aus dem Fußball: der damalige Kopfstoß von Zinedine Zidane im Endspiel der Fußball-WM 2006 ist für mich eines der sehr eindrucksvollen Beispiele für den Verlust an Impulskontrolle sowie und die damit verbundenen negativen Konsequenzen, die dies nach sich ziehen kann.

Impulskontrolle beschreibt daher die Fähigkeit, sein eigenes Verhalten in Drucksituationen zu steuern. Darüber hinaus beschreibt dieses Charakteristikum eine Fähigkeit, sich in einem immer komplexer werdenden Arbeitsumfeldern über einen längeren Zeitraum auf eine Aufgabe zu konzentrieren und sich nicht permanent durch Ereignisse jedweder Art ablenken zu lassen.

Was sind markante Eigenschaften von Menschen, die über eine hohe Impulskontrolle verfügen:

  • Klare Strategien, um definierte Ziele zu erreichen
  • Vorausplanung anstatt Impulsen zu folgen
  • Sehr selten geben solche Menschen auf, wenn etwas nicht funktioniert oder nicht wie erwartet gut läuft
  • Dinge zu Ende bringen – und hieraus persönlich eine große Zufriedenheit wahrnehmen.

Anders ausgedrückt: enorme Selbstdisziplin!

  1. Kausalanalyse

Dies beschreibt die Bereitschaft, ein wie auch immer geartetes Problem zeitlich, inhaltlich, gründlich wie auch treffend zu analysieren. Dies hilft solchen Menschen dabei, denselben Fehler nicht immer wieder und wieder zu machen – und nicht zu früh aufzugeben. Insofern verschwenden solche Menschen weniger Ressourcen. Und insbesondere trifft dies zu, wenn solche Menschen auf der Basis ihrer eigenen Analyse die Gründe für ihre Erfolge bzw. Misserfolge treffend einschätzen können. Dies führt zu deutlich höherer Motivation und deutlich mehr positiven Gefühlen.

  1. Selbstwirksamkeit

Selbstwirksamkeit beschreibt zum einen den Wunsch, Herausforderungen offen anzunehmen und zum anderen eine Grundüberzeugung, durch eigenes Handeln Dinge verändern zu können.

Solche Menschen erwarten von sich, dass sie die Sache gut machen werden – und sie engagieren sich daher entsprechend intensiv, um auch ein gutes Ergebnis zu erzielen. Anstatt Routinetätigkeiten werden Aufgaben favorisiert, die eine Herausforderung für darstellen – auch wenn dies erst einmal mit einer erhöhten Anspannung verbunden ist.

  1. Realistischer Optimismus

Dies beschreibt die tiefsitzende Überzeugung, dass sich Dinge zum Guten wenden können bzw. werden. Zudem beschreibt dies die Fähigkeit, auch in sehr schwierigen Situationen eine Sinnhaftigkeit und etwas Positives zu sehen und zu entdecken: eben das in der Regel „halbvolle“ Glas Wasser statt das „halbleere“.

Solche Menschen zeigen entsprechend auch viel Nachsicht mit anderen Menschen. Dennoch schätzen sie gleichzeitig die Realität treffend ein, sind insofern also nicht übertrieben optimistisch. Denn dies könnte im Gegenzug dazu führen, dass sie Risiken falsch einschätzen und somit falsche Entscheidungen treffen.

  1. Empathie

Empathie beschreibt die Fähigkeit, sich auf der Basis von beobachtetem Verhalten in die psychologische und emotionale Lage eines Anderen zu versetzen. Sinngemäß „fühlen“ empathische Menschen „mit“. Manchen Menschen fällt so etwas leichter, wenn schon einmal eine vergleichbare Situation erlebt wurde. Empathie hilft, mehr Verständnis für Andere aufzubringen und ist zum Beispiel für Menschen, die häufig im Kundenkontakt stehen, äußerst hilfreich und eine wichtige Voraussetzung für eine effektive Emotionssteuerung.

So wird der bereits oben beschriebene Service-Mitarbeiter wahrscheinlich weniger eigenen Ärger verspüren, wenn er sich bewusst macht, dass sein Kunde tatsächlich in einer misslichen Lage ist und es ihm wahrscheinlich ähnlich gehen würde, wenn er selbst dieser Kunde wäre.

  1. Zielorientierung

Eigentlich wird dies von Reivich und Shatté als „Reaching-Out“ bezeichnet – und ist daher mit Zielorientierung nur unzureichend übersetzt. Leider gibt es im Deutschen keinen Begriff, der diesen Resilienzfaktor besser beschreibt.

Zielorientierung ist ein Maß dafür, wie gerne sich ein Mensch neue Ziele setzt und diese, überwiegend unabhängig von der Meinung anderer, verfolgt und umsetzt.

Diese Eigenschaften haben Menschen mit hoher Zielorientierung:

  • Überzeugung, einen guten Job zu machen
  • Neugier
  • Klares Bild von dem, was man erreichen möchte
  • Sie unternehmen selbstbewusst, gelassen und konsequent „im Hier und Jetzt“ die notwendigen Schritte, um ihre Ziele zu erreichen
  • Keine Tagträumereien.

Aber man darf dies auch nicht mit getriebenen Menschen gleichsetzen, die ihre Erfolge nie genießen können und sich eher kopflos von einer Herausforderung in die nächste stürzen. Also ggf. ein hohes Risiko besitzen, an einem Burn-Out erkranken.

Ist ein hoher Resilienzwert unbedingt gut?

Die Werte von Menschen auf diesen hier genannten Charakteristika können mit Hilfe von Fragebögen ermittelt werden. Das von Reivich und Shatté entwickelte „Resilience Factor Inventory“ vermag, auf der Basis der Werte und analog zum bekannten IQ einen RQ (Resilienzquotient) zu bestimmen und mit den Werten einer Gesamtstichprobe zu vergleichen.

Der RQ ist auch deshalb mit dem IQ vergleichbar, weil ein hoher Wert nicht automatisch etwas Gutes bedeutet. Der IQ oder RQ ist immer auf der Basis des Umfelds der Person und weiterer Persönlichkeitsmerkmale zu betrachten. Mittlerweile ist unbestritten bekannt, dass eine sehr hohe Intelligenz für Menschen auch wie ein Fluch sein kann. Dies ist dann der Fall, wenn sie zum Beispiel nicht richtig gefördert werden. Gleichzeitig ist aber auch klar, dass eine sehr niedrige Intelligenz kaum als etwas Positives angesehen werden kann. Ein bisschen Intelligenz kann einfach nicht schaden.

Resilienz genauso wichtig wie Intelligenz?

Mit der Resilienz verhält es sich ähnlich. Entsprechend benötigt jeder Mensch ein gewisses Maß an Resilienz, um mit den unvermeidbaren Widrigkeiten des Lebens zurechtzukommen. Genau wie bei der Intelligenz trägt auch die Mehrzahl der Menschen diese Fähigkeit bereits in sich.Problematisch kann es werden, wenn die Resilienz zu niedrig ist oder der hohe Wert auf einem einzelnen Faktor nicht zum beruflichen Umfeld der Person passt.

Die Folgen eines hohen Werts am Beispiel „Kausalanalyse“

Ein hoher Wert bei der „Kausalanalyse“ bedeutet zum Beispiel, dass jemand Problemsituationen sehr gründlich analysiert, bevor eine Entscheidung getroffen wird. Insofern korreliert dieser Wert in hohem Maße mit „Gewissenhaftigkeit“. Sobald aber ein Mensch eine (hohe) Managementposition bekleidet, muss er lernen, schnell Entscheidungen zu treffen. Die notwendige Analysearbeit übernimmt dann z.B. ein Team an Mitarbeitern.

Auf der Basis dieser Arbeit trifft eine Führungskraft Entscheidungen. Eine Führungskraft, die hier nicht flexibel ist, wird dann als „Micromanager“ bzw. „entscheidungsfaul“ charakterisiert – und in den allermeisten Fällen an einem zu hohen Wert auf dem Faktor Kausalanalyse scheitern. Dies wird aber auch sehr häufig die Führungskraft tun, die nur intuitiv und aus dem Bauch heraus entscheidet, also niedrige Werte auf dem Faktor Kausalanalyse hat. Studien aus den USA & Deutschland belegen, dass Führungskräfte über einen signifikant höheren RQ als Mitarbeiter verfügen. Da wohl nicht davon auszugehen ist, dass bei der Auswahl der Führungskräfte der RQ gemessen wurde, haben solche Unternehmen wohl scheinbar unbewusst Mitarbeiter zu Führungskräften ernannt, die über höhere Werte im Bereich Resilienz verfügen. Bemerkenswert ist zudem, dass sich solche Führungskräfte nur in zwei Charakteristika – nämlich der Kausalanalyse und des Realistischen Optimismus – nicht von Mitarbeitern unterschieden.

Dies belegt, dass eine hohe

  • Emotionssteuerung,
  • Impulskontrolle,
  • Empathie,
  • Zielorientierung und
  • Selbstwirksamkeitsüberzeugung

scheinbar zur Übernahme einer Führungsaufgabe befähigt.

 

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